Entdecken Sie Städte und Kultur auf Frankreichs Küstenwanderwegen

Die Wanderwege entlang der französischen Küsten laden dazu ein, Städte und ihre Sehenswürdigkeiten einmal anders zu entdecken. Ob Tagesausflug oder Wanderurlaub, die Wege führen immer an der Küste entlang, sie sind Schauplatz französischer Geschichte und der Entwicklung des Badetourismus in Frankreich. Blättern Sie in einem Buch über Architektur unter freiem Himmel in Le Havre, erleben Sie die Rückkehr der Fischer in Sète, machen Sie sich Gedanken über die Zukunft der Ozeane in Brest, besuchen Sie ein Museumsjuwel in Nizza... Frankreichs Küstenstädte sind reich an außergewöhnlichen Kultur- und Kunststätten, die sich beim Flanieren in gesunder, jodhaltiger Luft, und ohne die Wege verlassen zu müssen, leicht entdecken lassen. Von der Nordsee bis zum Mittelmeer – es gibt in Frankreich zahlreiche Küstenstädte, deren Sehenswürdigkeiten und Kultur Sie bei einem Spaziergang entlang der Küste entdecken können. Einige stellen wir hier vor.

Le Havre, ein Architekturmuseum unter freiem Himmel

Von Étretat aus verläuft der Wanderweg entlang der Alabasterküste durch grandiose Landschaften zwischen Felsen und Tälern. Kurz vor Le Havre blickt man vom Küstenweg auf ein anderes, ebenso überwältigendes Schauspiel: auf die Mündung der Seine, einst Inspirationsquelle für die Künstler des Impressionismus. Zwischen dem Cap de la Hève und dem Semaphor (Signalturm) verläuft der Weg entlang der Strandpromenade und später über die Promenade des Régates. Von der Villa Maritime im eklektischen Stil, vorbei an den Holzhütten am Strand bis nach Nice-Havrais, einem neo-klassizistischen, in den 1900er Jahren erbauten Seebad, das als einziges die Bombenangriffe des Zweiten Weltkriegs überstand: Lernen Sie auf diesem Küstenweg die Geschichte von Le Havre kennen, der Stadt der Architektur und des Wassers, die sich ständig neu erfindet. Die ganze Anziehungskraft der Stadt erschließt sich den Besuchern im Musée d’Art Moderne André Malraux, kurz Musée Malraux oder MuMa (Museum für Moderne Kunst André Malraux), einem Gebäude aus Glas und Stahl, das eine der größten Sammlungen impressionistischer Werke in Frankreich beherbergt.

Museum für moderne Kunst André Malraux (Externer Link)
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Dunkerque, Kunst am Strand

Die Nordseeküste in der Nähe von Dunkerque (Dünkirchen) trägt immer noch Spuren der Vergangenheit. Der Küstenwanderweg der Côte d'Opale (Opalküste) verläuft zunächst entlang der Sandstrände mit den alten Bunkerbauten, die von Künstlern in Kunstwerke umgewandelt wurden. Etwas weiter entfernt ragen aus dem Wattenmeer Schiffwracks aus dem Zweiten Weltkrieg. Bei einem Hafenrundgang durch die Stadt des Freibeuters Jean Bart atmet man nicht nur jodhaltige Luft, sondern badet auch förmlich in Geschichte und Kunst. Das Musée Dunkerque 1940 erinnert an die „Operation Dynamo“, jener militärischen Evakuierungsaktion, mit der 1940 mehr als 300.000 alliierte Soldaten nach England übergesetzt werden konnten. Auf den Spuren der Geschichte geht es weiter zum Musée Portuaire (Hafenmuseum), einem ehemaligen Tabaklager aus dem 19. Jahrhundert, das über die Geschichte des Hafens von Dunkerque informiert, von den Ursprüngen als kleiner Fischerhafen bis hin zum drittgrößten Seehafen Frankreichs. Schlendern Sie durch die Ausstellungsräume und... über das Wasser des Handelsbeckens (Bassin de Commerce). Denn hier, im Musée à Flot, warten drei symbolträchtige Museumsschiffe auf angehende Schiffsjungen: der Dreimaster Duchesse Anne, ein Schulschiff, das Feuerschiff Sandettié, das früher zum Aufspüren von Sandbänken diente, und die Péniche Guilde. Schippern Sie in aller Ruhe zwischen den Zeugnissen der Vergangenheit, bevor Sie Kurs nehmen auf ein anderes Flaggschiff der Stadt: Folgen sie dem Küstenweg bis zu den ehemaligen Schiffswerften, wo ein Zwischenstopp unumgänglich ist: das Kunstzentrum FRAC Grand Large, eine lichtdurchflutete ehemalige Werfthalle, beherbergt 1800 Werke der wichtigsten Strömungen zeitgenössischer Kunst.

Hafenmuseum (Externer Link)
Museum Dunkerque 1940 (Externer Link)
Frac Grand Large (Externer Link)
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Cherbourg, Ort der Erinnerung am Ärmelkanal

Vom Mont Saint-Michel oder von den Landungsstränden der Normandie, zum Beispiel Utah Beach, führt der Küstenwanderweg des Ärmelkanals bis nach Cherbourg und zur Pointe du Cotentin. Die zweitgrößte künstliche Reede der Welt, deren Ausbau von Napoleon veranlasst wurde, erstreckt sich auf einer Fläche von fast 1500 Hektar und ist von Deichen umgeben. Die Geschichte der Normandie ist auf diesem Küstenweg allgegenwärtig. Der städtische Teil dieser auch „Zöllnerweg“ genannten Strecke führt zum Hafen, der für sein tiefes Wasser bekannt ist. Die Titanic legte hier 1912 an, bevor sie im Nordatlantik versank. Nutzen Sie die Gelegenheit, um einen Zwischenstopp am ehemaligen transatlantischen Hafenbahnhof im Art-Déco-Stil einzulegen, in dem sich heute das Museum Cité de la Mer befindet. Für Besucher es Museums wird die Geschichte der legendären Ozeandampfer wieder lebendig. Ein großartiges, immersives Museum auf drei Ebenen mit mehreren Multimediaräumen und 17 Aquarien, darunter ein über 10 Meter tiefes Aquarium, das den Reichtümern des Ozeans gewidmet ist. Nur ein paar Schritte weiter, in unmittelbarer Nähe der Drehbrücke, entsteht in der Manufacture des Parapluies (Regenschirm-Manufaktur) ein weiterer, unsinkbarer Schatz: der ikonische und handgefertigte „Parapluie de Cherbourg“ (Regenschirm von Cherbourg). Damit macht sogar Regen Spaß!

Cité de la Mer (Externer Link)
Regenschirm von Cherbourg (Externer Link)
Besuchen Sie Cherbourg in der Normandie (Externer Link)

Brest, Vergangenheit und Zukunft der Ozeane

In Brest führt der Küstenwanderweg um die Reede herum und bietet atemberaubende Ausblicke auf eines der größten Hafenbecken der Welt (180 km²!). Wussten Sie aber, dass der Zöllnerweg auch tief in das kulturelle Erbe der schönen „Métropole Océane“ (Meeresmetropole), wie Brest genannt wird, eintaucht? Das Musée National de la Marine (Nationales Marinemuseum) informiert über die Geschichte des Hafens und der Marine und ist in der alten Festung untergebracht, die seit siebzehn Jahrhunderten über die Hafeneinfahrt wacht. Es werden die engen Verbindungen von Brest mit dem Atlantik aufgezeigt, zunächst als Marinearsenal, dann als Militär- und später als Fischereihafen. Heute Ist Brest auch ein führender Standort in der Meeresforschung. Ein Beispiel dafür ist das „Océanpolis Brest“ mit seinen drei Pavillons und 77 Aquarien auf einer Fläche von 9000 m², ein Park zur Entdeckung der Ozeane und gleichzeitig Zentrum für Wissenschaftliche und Technische Meereskultur (Centre de Culture Scientifique et Technique de la Mer). Die Zukunft der Ozeane wird in Brest geschrieben!

Nationales Marinemuseum (Externer Link)
Oceanopolis (Externer Link)
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Les Sables d'Olonne, Wind und Weite

Das Dorf La Chaume liegt am Küstenwanderweg der Vendée, an der so genannten Côte de Lumière (Lichtküste), und ist mit seinen engen Gassen und bunten Häusern ein schöner Einstieg in die Tour, die nach Les Sables d'Olonne führt. Der Weg führt vorbei am endlos erscheinenden Strand und erreicht schließlich den Yachthafen, der die besondere und fröhliche Atmosphäre der berühmten Regatta Vendée Globe ausstrahlt. Alle vier Jahre erleben die Zuschauer hier die Abfahrt und Rückkehr der Teilnehmer der größten Segelregatta um die Welt. Die Segler müssen allein, ohne Zwischenstopp und ohne fremde Hilfe um die Welt segeln. Das nächste Rennen findet 2024 statt. Auf dem Küstenweg geht es weiter zum Fischereihafen, wo man mit einem Touristenführer die Fischauktionshalle besichtigt und zum Essen anschließend frischen Fisch serviert bekommt. Schlendern Sie durch die Gassen des Viertels Île Penotte, nicht weit von den zentralen Markthallen entfernt. Zahlreiche Hausfassaden sind hier mit maritimen Muschelfresken verziert, die alle von einer lokalen Künstlerin angefertigt wurden. Schließlich erreicht man wieder das Meer und geht weiter auf der Strandpromenade, die Le Remblai heißt. Am Beginn der Promenade steht ein acht Meter hoher Turm mit einer vierseitigen Uhr. Er wurde auf einem ehemaligen Bunker errichtet und kontrastiert mit der Architektur der Villen und Hotels aus den 1930er Jahren. Wanderer auf diesem Weg bewundern die Küste des Atlantischen Ozeans und begeben sich gleichzeitig auf eine Reise in die Vergangenheit dank der aufgestellten Tafeln entlang des Parcours.

Besuchen Sie Les Sables d'Olonne an der Atlantikküste (Externer Link)

Biarritz, Fitness im Fokus

In Biarritz im Baskenland verläuft der Küstenwanderweg im Zickzack, vorbei an Felsen, Treppen und Stegen mitten in der Stadt. Die Devise lautet: fit bleiben und keine Sehenswürdigkeit verpassen! Lassen Sie sich einfach von den Brisen des Ozeans leiten. Vom Leuchtturm (248 Stufen!) hat man einen herrlichen Blick auf den Strand „Grande Plage“ mit seinen buntgestreiften Badezelten zu Füßen des Hôtel du Palais: Das kürzlich renovierte Haus im Stil der Belle Époque präsentiert sich jetzt wieder im Gewand eines ikonischen Palasthotels. Doch es gibt am Meer noch weitere Sehenswürdigkeiten zu entdecken: den Fischereihafen mit den alten Fischerhütten, den "Crampottes", sowie das Aquarium de Biarritz: Das Art-Déco-Gebäude mit Blick auf den Rocher de la Vierge beherbergt 45 Aquarien, die einen Blick in die geheimnisvolle Welt der Ozeane bieten. Beobachten Sie Haie oder verfolgen Sie die Fütterung der Robben. Um die Geheimnisse des Meeres noch ein wenig mehr zu ergründen, lohnt ein Besuch im interaktiven Museum Cité de l'Océan, das nur fünf Gehminuten vom Küstenweg entfernt liegt: Hier können Sie Eisbären begegnen, trockenen Fußes tauchen und wie ein Profi auf den baskischen Wellen surfen – alles virtuell!

Aquarium von Biarritz (Externer Link)
Cité de l'Océan (Externer Link)
Biarritz im Baskenland besuchen (Externer Link)

Nizza, die Farben der Côte d'Azur

Zwischen dem Cap d'Antibes und der Reede von Villefranche-sur-Mer wird der Küstenwanderweg der Côte d'Azur am Mittelmeer für kurze Zeit städtisch, wenn er in Nizza entlang der berühmten, mit Palmen bepflanzten „Promenade des Anglais“ verläuft. Die ikonischste aller Strandpromenaden, seit 2021 UNESCO-Weltkulturerbe, ist über 7 km lang. "La Prom'", wie sie in Frankreich auch genannt wird, ist gespickt mit Skulpturen, die dem blauen Meer zugewandt sind: die einem Obelisken ähnelnde Stahlskulptur „Neuf Lignes Obliques“ des Bildhauers Bernar Venet, Bartholdis Nachbildung der New Yorker Freiheitsstatue und nicht zu vergessen "La Chaise Bleue de SAB" von Sabine Géraudie, einer lokalen Künstlerin. Die Skulptur ist eine Anspielung auf die blauen Stühle der Promenade, auf denen man sich gerne niederlässt, um die Farbnuancen des Mittelmeers und die prachtvollen Belle-Époque-Hotels wie das Negresco mit seiner rosafarbenen Kuppel oder das Palais de la Méditerranée, in dem Henri Matisse wohnte, zu bewundern.
Der Kunstspaziergang geht noch weiter bis zum Musée des Arts Asiatiques (Museum für Asiatische Kunst), ein Werk des japanischen Architekten Kenzo Tange, der das Museum ein "schneeweißes Juwel" nannte. Die Fassade ist aus weißem Marmor, und seine geometrischen Formen sind von der japanischen Tradition inspiriert. Im Innern repräsentieren die Werke aus dezentem Gold, patinierter Bronze und antikem Holz den Geist der asiatischen Kulturen, von China über Japan und Südostasien bis nach Indien.

Museum für asiatische Kunst (Externer Link)
Besuchen Sie Nizza an der Côte d'Azur (Externer Link)

Sète, die einzigartige Insel

Auf der einen Seite der Étang de Thau, ein echtes Binnenmeer mit großer Artenvielfalt, auf der anderen Seite das Mittelmeer: Der Küstenwanderweg des Languedoc bietet vielfältige Landschaften bis zur Mole von Sète, dem wichtigsten Fischereihafen Südfrankreichs, der von dem französischen Dichter Paul Valéry, berühmter Sohn der Stadt, als „Île Singulière“ (einzigartige Insel) beschrieben wurde. Von der Mole Saint-Louis kann man die Ankunft der Fischkutter und kleinen Boote beobachten, die jeden Tag nicht weniger als zehn Tonnen Fisch an Land bringen. Jedes Jahr am 25. August treten bunte Boote die Nachfolge an: das traditionelle nautische Turnier (Fischerstechen) in Sète wird zu Ehren der Gründung des Hafens durch Ludwig XIV. im Jahr 1666 veranstaltet! Die farbenfrohen Szenen des Turniers sind in zahlreichen Gemälden verewigt, die sich im Museum Paul Valéry in der Nähe des Friedhofs Cimetière Marin befinden. Nur wenige Meter weiter befindet sich das Musée de la Mer (Meeresmuseum), das in einem eigenen Bereich über diese jahrhundertealte Tradition informiert: dazu gehören eine Ausstellung von Trophäen, die Geschichte der Helden und eine Sammlung von Schiffsmodellen.

Museum Paul Valéry (Externer Link)
Meeresmuseum (Externer Link)
Besuchen Sie Sète in Okzitanien (Externer Link)

Marseille, Bühne zum Mittelmeer

Nach einem Ausflug in den Parc National des Calanques (Nationalpark Calanques) oder einer Wanderung zu den Buchten der Côte Bleue können sich kulturhungrige Wanderer eine urbane Auszeit gönnen, indem sie Marseille und seine Sehenswürdigkeiten auf dem Küstenwanderweg (neu) entdecken. Die ausgeschilderte Route beginnt in der Nähe des Musée des Civilisations de l’Europe et de la Méditerranée, kurz MuCEM (Museum der Zivilisationen Europas und des Mittelmeers), das auf einer ehemaligen Hafenmole errichtet wurde. Gleich daneben befindet sich die Villa Méditerranée, in der eine Nachbildung der Cosquer-Höhle zu sehen ist. Der Wanderweg führt anschließend um den symbolträchtigen Vieux Port (Alter Hafen) herum. Am frühen Morgen sind die Kais voller Stände, an denen die Erzeugnisse der handwerklichen Fischerei angeboten werden. Dies ist ein guter Zeitpunkt, um Fische für die (echte) Bouillabaisse zu kaufen und das Kommen und Gehen der traditionellen Boote zu beobachten. Der Küstenweg verläuft weiter entlang der Corniche (Panoramastraße) bis nach La Madrague, vorbei am Jardin du Pharo und der Plage des Catalans, wo sich das Musée Subaquatique (Unterwassermuseum) befindet. Mit Tauchmaske und Flossen kann man in einem künstlichen Riff die Herausforderungen im Meeresschutz erkunden.

Mucem (Externer Link)
Unterwassermuseum (Externer Link)
Cosquer-Höhle Mittelmeer (Externer Link)
Marseille in der Provence besuchen (Externer Link)